Listwa Sent Lisi*

*Patois für: Die Geschichte Saint Lucias

IMG_8484Saint Lucias natürliche Reize lockten schon immer Besucher an. Die Urbevölkerung bestand aus friedlichen Arawakindianern, die jedoch von kriegerischen Kariben besiegt wurden. Kolumbus, der die Insel 1499 als erster Europäer gesichtet haben soll, ließ Hewanorra, „das Land des Leguans“, wie die Kariben die Insel nannten, auf seinem Weg nach Südamerika links liegen. Holländer, Briten und Franzosen waren hingegen ganz wild auf das Eiland, doch die Kariben leisteten allen Kolonisatoren erbitterten Widerstand. Dies war auch die Zeit der Piraten – Jambe de Bois trieb in den 1550-ern sein blutiges Unwesen. Im Jahr 1651 gelang es französischen Siedlern schließlich, sich dauerhaft auf Saint Lucia niederzulassen.

IMG_1555In den folgenden Jahrzehnten wurde die Insel zum Spielball der Mächte: 14 Mal wechselten sich Briten und Franzosen in der Herrschaft ab. 1814 geriet Saint Lucia endgültig unter britische Herrschaft. Obgleich seit 1979 unabhängig, ist die Erinnerung an die Kolonialzeit auch heute noch sehr lebendig. Überall finden sich Zeugen der Vergangenheit, erzählen verwunschene Plantagenhäuser, versteckte Piratenhöhlen und Festungen mit Panoramablick Geschichten. Das englische Erbe manifestiert sich unter anderem in Amtssprache, Linksverkehr und der Leidenschaft für Kricket. Franzosen hinterließen wohlklingende Ortsnamen, die Wurzeln der Kreolsprache Patois und das Raffinement in der Küche.

 

Kreolisches Lebensgefühl

 

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Das Strahlen der Schulmädchen in bunten Uniformen, das einnehmende Lachen der Marktfrau, der Spaß machende Dorfjunge – die Lebensfreude der Menschen auf Saint Lucia ist ansteckend. Trotz europäischer Einflüsse ist Saint Lucia wohl die „karibischste Insel“ der Antillen. Die Menschen sind stolz auf ihre Wurzeln, ihre Heimat, ihr kreolisches Lebensgefühl. Das zeigt sich ganz besonders am „Jounen Kweyol Entenasyonna“ (International Creole Day), der jedes Jahr Ende Oktober als Hommage an die afrikanischen und französischen Wurzeln und die kreolische Sprache Patois gefeiert wird.
Zu jeder Jahreszeit eintauchen in die Geschichte und kreolische Traditionen können Besucher des Fond Latisab Creole Park, in dem man zum Beispiel die Herstellung des Kassawabrots oder das Fangen von Flusskrebsen erleben kann.

IMG_6652Auch die zwischen Atlantik und Karibik gelegene Halbinsel Pigeon Island kann auf eine wechselvolle Geschichte verweisen – ursprünglich von den Indianern bewohnt, dann Piratenversteck und schließlich Stützpunkt von französischer und britischer Marine, ist sie heute Saint Lucias erster Nationalpark. Auf dem 176.000 qm großen Gelände finden sich die Überreste von Fort Rodney, dem historischen Schlachtfeld französisch-britischer Kämpfe.

Balenbouche EstateEin nostalgisches Flair liegt vor allem über Soufrière, der ältesten europäischen Siedlung der Insel. Aber auch in hübschen Fischerdörfern wie Anse La Raye und Canaries scheint es, als sei die Zeit stehen geblieben. Ehemalige Plantagen aus der Kolonialzeit wie Fond Doux und Balenbouche werden heute noch bewirtschaftet und laden zum Übernachten ein.